Diese Woche hat mich eine persönliche Situation beschĂ€ftigt und mir etwas ĂŒber mich selbst gezeigt.
In vielen Bereichen meines Lebens achte ich inzwischen ganz selbstverstĂ€ndlich darauf, was fĂŒr mich stimmig ist.
Ich weiĂ, was mir guttut.
Ich weiĂ, was ich möchte.
Ich kann Entscheidungen treffen, ohne stĂ€ndig darĂŒber nachzudenken, ob sie fĂŒr alle anderen richtig sind.
Und trotzdem gibt es einen Bereich, in denen alte Muster manchmal noch einmal sichtbar werden.
Bei mir war das lange besonders bei meiner Familie so.
Und genau daraus ist eine Frage entstanden, die ich gerne mit dir teilen möchte:
Warum fÀllt es uns gerade bei den Menschen, die wir lieben, manchmal so schwer, uns selbst genauso wichtig zu nehmen?
đ Wenn „fĂŒr andere da sein“ bedeutet, sich selbst zurĂŒckzustellen
FĂŒr andere Menschen da zu sein, ist etwas Schönes.
Wir helfen.
Wir unterstĂŒtzen.
Wir hören zu.
Wir kĂŒmmern uns.
Wir sind fĂŒreinander da.
Gerade innerhalb einer Familie kann das etwas sehr Wertvolles sein.
Problematisch wird es erst dann, wenn aus âIch bin gerne fĂŒr dich daâ irgendwann ein automatisches âIch stelle mich hinten anâ wird (oder schon immer war).
Vielleicht kennst du das:
Jemand braucht etwas und du springst sofort.
Jemand möchte etwas unternehmen und du passt deine PlÀne an.
Jemand fragt dich um Hilfe und du sagst zu, obwohl du eigentlich schon etwas anderes vorhattest.
Und manchmal bemerkst du dabei gar nicht, dass du dich selbst wieder an die letzte Stelle gesetzt hast.
Nicht, weil du bewusst darauf verzichtet hast.
Sondern weil es so selbstverstÀndlich geworden ist.
Gerade bei Familie können solche Muster sehr tief sitzen.
Vielleicht warst du schon als Kind diejenige, die mitgedacht hat.
Die geholfen hat.
Die RĂŒcksicht genommen hat.
Die Harmonie bewahren wollte.
Vielleicht ist es aber gar nicht dein bewusstes Wollen.
Vielleicht hast du es einfach gelernt.
Vielleicht war es fĂŒr dich irgendwann ganz normal, diejenige zu sein, die hilft, RĂŒcksicht nimmt und versucht, die Harmonie zu bewahren.
Du hast diese Rolle vielleicht nicht bewusst gewĂ€hlt â sondern sie im Laufe deines Lebens ĂŒbernommen, weil sie von dir erwartet wurde oder du gemerkt hast, dass du so gebraucht wirst.
Und irgendwann wird aus einem erlernten Verhalten etwas, das sich völlig normal anfĂŒhlt.
Du fragst dann gar nicht mehr:
âWas möchte ich eigentlich?â
Du handelst einfach.
Du funktionierst.
Du passt dich an.
Nicht, weil du es unbedingt möchtest â sondern weil du gelernt hast, dass es so sein muss.
Und genau deshalb kann es so wertvoll sein, diese alten Muster ĂŒberhaupt einmal bewusst zu erkennen.
Denn was du gelernt hast, darfst du auch wieder hinterfragen.
Ist das wirklich noch das, was ich möchte â oder ist es einfach das, was ich immer gemacht habe?
đž Du darfst dich selbst mit einbeziehen
SelbstfĂŒrsorge bedeutet nicht, dass du immer zuerst dich selbst wĂ€hlen musst.
Es bedeutet auch nicht, dass ab jetzt nur noch deine BedĂŒrfnisse zĂ€hlen.
Darum geht es ĂŒberhaupt nicht.
Es geht um etwas viel Einfacheres:
Du darfst dich selbst mit einbeziehen.
Wenn jemand dich um etwas bittet, darf die erste Reaktion nicht automatisch sein:
âNatĂŒrlich, ich mache das.â
Du darfst auch einmal innehalten und fragen:
âWas brauche ich?â
âWas hatte ich eigentlich vor?â
âIst mir das gerade wichtig?â
âMöchte ich das wirklich?â
âWas kann ich zusĂ€tzlich möglich machen, ohne mich selbst dabei zu ĂŒbergehen?â
Dieser kleine Moment des Innehaltens kann unglaublich viel verÀndern.
Denn manchmal ist es nicht einmal die Situation selbst, die schwierig ist.
Sondern die Tatsache, dass wir uns gar nicht gefragt haben, was wir eigentlich wollen.
đ«žđ» Liebe bedeutet nicht, immer verfĂŒgbar zu sein
Du kannst deine Familie lieben und trotzdem eigene PlÀne haben.
Du kannst fĂŒr jemanden da sein und trotzdem sagen:
âHeute passt es fĂŒr mich nicht.â
Du kannst helfen, ohne jederzeit verfĂŒgbar zu sein.
Du kannst etwas fĂŒr einen Menschen tun, weil du es wirklich möchtest â und nicht, weil du glaubst, es tun zu mĂŒssen.
Und du darfst ein Nein aussprechen, ohne dass dieses Nein bedeutet:
âDu bist mir nicht wichtig.â
Eine Grenze ist keine Ablehnung eines Menschen.
Eine Grenze kann eine Entscheidung fĂŒr einen gesunden Umgang miteinander sein.
Denn wenn du immer wieder ĂŒber deine eigenen BedĂŒrfnisse hinweggehst, nur damit es anderen gut geht, entsteht irgendwann etwas anderes:
Frust.
Erschöpfung.
EnttÀuschung.
Oder sogar das GefĂŒhl:
âImmer muss ich zurĂŒckstecken.â
Und manchmal ist genau das der Moment, an dem du dich fragen darfst:
âHabe ich ĂŒberhaupt jemals ausgesprochen, was ich brauche?â
đ„° Was möchtest du eigentlich?
Diese Frage klingt so einfach.
Und trotzdem fÀllt es vielen Menschen erstaunlich schwer, sie zu beantworten.
Vor allem dann, wenn sie lange gewohnt waren, sich an anderen zu orientieren.
Vielleicht hast du gelernt:
âDas macht man eben so.â
âFamilie geht immer vor.â
âMan hilft sich.â
âDas kann ich doch nicht machen.â
âWas sollen die anderen denken?â
Doch auch solche GlaubenssĂ€tze dĂŒrfen irgendwann ĂŒberprĂŒft werden.
Nicht jede Regel, die du einmal gelernt hast, muss fĂŒr dein heutiges Leben noch richtig sein.
Vielleicht möchtest du deiner Familie weiterhin helfen.
Vielleicht möchtest du weiterhin fĂŒreinander da sein.
Vielleicht möchtest du manche Dinge genauso weitermachen wie bisher.
Und vielleicht möchtest du bei anderen Dingen etwas verÀndern.
Du darfst entscheiden.
Nicht aus Trotz.
Nicht gegen deine Familie.
Sondern fĂŒr dich.
đ€ „Familie geht immer vor“ – muss das wirklich so sein?
Der Satz klingt zunÀchst liebevoll.
âMeine Familie kommt immer zuerst.â
Aber was passiert, wenn du ihn wörtlich nimmst?
Wenn deine BedĂŒrfnisse dadurch grundsĂ€tzlich an zweiter Stelle stehen?
Wenn deine eigenen PlÀne immer verschoben werden?
Wenn du dich selbst nur dann wichtig nimmst, wenn gerade niemand etwas von dir braucht?
Dann lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen.
Denn vielleicht darf Familie wichtig sein, ohne dass du selbst unwichtig wirst.
Vielleicht darf es nebeneinander existieren:
Meine Familie ist mir wichtig.
Und ich bin mir ebenfalls wichtig.
Das eine schlieĂt das andere nicht aus.
âđ» Vergeben bedeutet nicht, nichts daraus mitzunehmen
Ein weiterer Gedanke, der mir dabei wichtig ist:
Etwas zu vergeben bedeutet nicht, dass die Erfahrung nicht stattgefunden hat.
Du darfst etwas loslassen.
Du darfst aufhören, dich immer wieder darĂŒber zu Ă€rgern.
Du darfst einem Menschen vergeben.
Und trotzdem darfst du aus dieser Erfahrung etwas mitnehmen.
Vielleicht hast du erkannt:
âSo möchte ich kĂŒnftig nicht mehr mit mir umgehen.â
Oder:
âBeim nĂ€chsten Mal möchte ich frĂŒher sagen, was ich brauche.â
Oder:
âIch möchte nicht mehr automatisch Ja sagen.â
Das bedeutet nicht, dass du nachtragend bist.
Es bedeutet, dass du aus deiner Erfahrung lernst.
Du kannst sagen:
Es ist passiert.
Ich möchte es nicht weiter mit mir herumtragen.
Und trotzdem weiĂ ich heute besser, was ich kĂŒnftig fĂŒr mich möchte.
Das ist fĂŒr mich ein sehr wichtiger Teil von Selbstliebe.
Nicht in der Vergangenheit hÀngen zu bleiben.
Aber aus ihr zu lernen.
1ïžâŁ Selbstliebe bedeutet manchmal: „Ich schaue zuerst bei mir“
Selbstliebe wird hĂ€ufig mit groĂen Dingen verbunden.
Sich etwas gönnen.
Sich Ruhe nehmen.
Sich verwöhnen.
Alleine etwas unternehmen.
Doch manchmal zeigt sich Selbstliebe in einem ganz kleinen Moment.
Jemand fragt dich:
âKannst du das fĂŒr mich machen?â
Und statt sofort zu antworten, hÀltst du kurz inne.
Du fragst dich:
âWas möchte ich eigentlich?â
Vielleicht sagst du Ja.
Vielleicht sagst du Nein.
Vielleicht findest du eine andere Lösung.
Vielleicht sagst du:
âHeute kann ich nicht, aber morgen kann ich dir helfen.â
Und vielleicht ist genau das Selbstliebe.
Nicht automatisch sich selbst an die erste Stelle zu setzen.
Sondern sich selbst ĂŒberhaupt mit einzubeziehen.
Die neue Frage könnte deshalb lauten:
âWas passt fĂŒr mich â und was kann ich darĂŒber hinaus fĂŒr andere möglich machen?â
đ Auch im Dualseelenprozess kann dieses Thema wieder auftauchen
Gerade im Dualseelenprozess begegnen Herzmenschen dem Thema Selbstliebe und Grenzen hÀufig immer wieder.
Vielleicht hast du bereits unglaublich viel gelernt.
Du hast angefangen, dich selbst wichtiger zu nehmen.
Du hast deinen Selbstwert erkannt.
Du hast gelernt loszulassen.
Vielleicht bist du gerade dabei deine Lebensfreude neu zu lernen, vielleicht bist du auch schon in deiner Lebensfreude angekommen.
Und trotzdem können neue Situationen auftauchen, in denen sich plötzlich zeigt:
âBleibe ich diesmal wirklich bei mir?â
Denn Selbstliebe ist kein Punkt, den du irgendwann abhaken kannst.
Das Leben bringt immer wieder neue Situationen.
Neue Menschen.
Neue Herausforderungen.
Neue Entscheidungen.
Und manchmal fĂŒhlt es sich fast so an, als wĂŒrde das Leben noch einmal fragen:
âMeinst du es wirklich ernst mit dir?â
Nicht als Strafe.
Nicht als PrĂŒfung, die du bestehen musst.
Sondern als Möglichkeit zu erkennen, ob das, was du gelernt hast, auch in einer neuen Situation Bestand hat.
Gerade im Dualseelenprozess können Selbstverantwortung, gesunde Grenzen und der Blick zurĂŒck zu dir deshalb immer wieder eine Rolle spielen.
Nicht nur in Bezug auf den GefĂŒhlsklĂ€rer.
Sondern in deinem gesamten Leben.
Denn am Ende geht es immer wieder um dieselbe Frage:
âBin ich auch dann bei mir, wenn jemand anderes etwas von mir möchte?â
đïž Eine kleine Ăbung: Bevor du Ja sagst
Ich möchte dir eine ganz einfache Ăbung mitgeben.
Vielleicht möchtest du sie in den nÀchsten Tagen ausprobieren.
Wenn dich jemand um etwas bittet, antworte nicht sofort.
Du musst nicht lange ĂŒberlegen.
Manchmal reichen zehn Sekunden.
Atme einmal durch und frage dich:
- Was möchte ich eigentlich?
Nicht:
âWas sollte ich wollen?â
Sondern:
âWas möchte ich wirklich?â
- Was hatte ich selbst geplant?
Hatte ich etwas vor?
Habe ich mir Zeit fĂŒr mich genommen?
Wollte ich mich ausruhen?
Oder hatte ich mich auf etwas gefreut?
- Sage ich Ja aus freien StĂŒcken?
Oder habe ich Angst davor, jemanden zu enttÀuschen?
- Wenn ich Ja sage â wie fĂŒhlt es sich an?
FĂŒhlt es sich nach einem echten âJa, gerneâ an?
Oder eher nach:
âNa gut, dann muss ich eben.â
Das sind zwei völlig unterschiedliche GefĂŒhle.
- Was wÀre eine Lösung, bei der auch ich vorkomme?
Vielleicht ist es ein Ja.
Vielleicht ein Nein.
Vielleicht ein anderes Timing.
Vielleicht Hilfe in einem kleineren Umfang.
Es geht nicht darum, immer Nein zu sagen.
Es geht darum, bewusst Ja zu sagen.
â Deine Reflexionsfragen
Nimm dir heute ein paar Minuten und beantworte diese Fragen ehrlich:
- Bei welchen Menschen stelle ich meine BedĂŒrfnisse besonders schnell zurĂŒck?
- Wo passe ich meine eigenen PlÀne automatisch an?
- Sage ich manchmal Ja, obwohl ich eigentlich Nein fĂŒhle?
- Tue ich etwas, weil ich es wirklich möchte â oder weil ich glaube, es tun zu mĂŒssen?
- Habe ich Angst davor, jemanden zu enttÀuschen?
- Was wĂŒrde ich tun, wenn ich mich selbst genauso wichtig nehmen wĂŒrde wie die Menschen, die ich liebe?
- Wo darf ich mich kĂŒnftig stĂ€rker mit einbeziehen?
- Kann ich fĂŒr jemanden da sein, ohne mich selbst dabei zu verlieren?
- Was bedeutet Familie fĂŒr mich â und welche Bedeutung möchte ich mir selbst darin geben?
Und vielleicht die wichtigste Frage:
âWas wĂŒrde sich verĂ€ndern, wenn ich nicht weniger fĂŒr andere da wĂ€re, sondern auch mehr fĂŒr mich?â
âŸïž Du musst dich nicht zwischen dir und anderen entscheiden
Vielleicht ist genau das die Botschaft, die ich dir heute mitgeben möchte:
Du musst dich nicht entscheiden zwischen Selbstliebe und Familie.
Zwischen deinen BedĂŒrfnissen und den BedĂŒrfnissen anderer.
Zwischen fĂŒr dich sorgen und fĂŒr andere da sein.
Es darf beides geben.
Du darfst Menschen lieben.
Du darfst dich kĂŒmmern.
Du darfst helfen.
Du darfst groĂzĂŒgig sein.
Und trotzdem darfst du dein eigenes Leben leben.
Deine PlÀne haben einen Wert.
Deine Zeit hat einen Wert.
Deine BedĂŒrfnisse haben einen Wert.
Auch dann, wenn jemand anderes gerade etwas von dir möchte.
đ€ Vielleicht bedeutet Selbstliebe nicht, weniger fĂŒr andere zu tun
Vielleicht bedeutet Selbstliebe manchmal gar nicht, weniger fĂŒr andere zu tun.
Vielleicht bedeutet sie einfach:
Dich selbst dabei nicht mehr zu vergessen.
Vielleicht möchtest du deiner Familie helfen.
Dann tu es.
Aber tu es, weil du es möchtest.
Vielleicht möchtest du einen Plan verschieben.
Dann verschiebe ihn.
Aber nicht automatisch.
Sondern bewusst.
Vielleicht möchtest du Nein sagen.
Dann darfst du Nein sagen.
Und vielleicht stellst du irgendwann fest:
Ich kann fĂŒr andere da sein, ohne mich selbst dabei zu verlieren.
Das ist keine Egozentrik.
Das ist Selbstverantwortung.
Und vielleicht darfst du dich heute einmal fragen:
âWo möchte ich mich selbst ein bisschen mehr mit einbeziehen?â
Nicht morgen.
Nicht irgendwann.
Vielleicht schon heute.
đ Herzenspost
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đ€ Bleib du.
Angelina Janus
Weniger mĂŒssen. Mehr du sein.
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